Freitag, 6. Juli 2018

Keine Panik - 5 Gründe, warum eine Kreuzfahrt sicher ist

Frauen und Kinder zuerst? Den Spruch gibt es nur im Film. Tatsächlich werden im Notfall einer Evakuierung alle Personen gleich behandelt.
Wir zeigen, warum man im Ernstfall Ruhe bewahren kann und was unternommen wird, damit alle gerettet werden. Zudem erklären wir, warum moderne Kreuzfahrtschiffe kaum in Seenot oder in wirklich bedrohliche Lagen geraten können. Denn: Bereits beim computergestützten Entwurf des Schiffes, in unterschiedlichen Simulationsverfahren am PC sowie in Modellversuchen werden die Grundlagen für die Sicherheit eines Schiffes gelegt.


Bedingungen wie extrem schwere See und hohe Wellen fließen bereits in die Berechnungen der Werft-Ingenieure ein. Die Festigkeit eines Schiffskörpers, die Stabilität und das Seegangsverhalten werden berücksichtigt, aber auch das Verhalten von Menschen im Evakuierungsfall gehört dazu. Und nicht zuletzt: Seit 2010 legt das Regelwerk „Safe-Return-to-Port“ fest, dass ein Schiff in vielen Notfällen als sein eigenes Rettungsboot fungieren und den nächsten Hafen erreichen muss, so dass eine Evakuierung nicht notwendig wird.

1. Boote, Rettungsinseln und Schwimmwesten für alle


Die gute und beruhigende Nachricht zuerst: Niemand muss im Notfall fürchten, mit dem Schiff unterzugehen. Die Anzahl der Rettungsboote und Rettungsinseln auf einem Kreuzfahrtschiff ist international verpflichtend vorgeschrieben. Die Kapazität der Rettungsmittel liegt bei 125 Prozent im Verhältnis zur maximal zulässigen Anzahl der Personen an Bord. Was heißt: Für vier Personen müssen fünf Plätze bereitgehalten werden. Festgeschrieben ist das in der „International Convention for the Safety of Life at Sea“ (SOLAS). Das Abkommen ist im Übrigen eine Konsequenz aus dem Titantic-Desaster. Bereits zwei Jahre nach der verheerenden Katastrophe wurde eine erste Fassung der seither geltenden Vereinbarung veröffentlicht. Dieses Regelwerk wird seitdem kontinuierlich weiterentwickelt und an neue Entwicklungen angepasst.


„Laut SOLAS-Abkommen muss die Evakuierung eines Schiffes innerhalb von 80 Minuten nach dem Ertönen des Notsignals möglich sein“, so Henning Luhmann, verantwortlich für den Bereich Schiffssicherheit bei der MEYER WERFT. Neben den hochmodernen Rettungsbooten halten die Kreuzfahrtschiffe aufblasbare Rettungsinseln des Marine Evacuation Systems (MES) als Rettungsmittel bereit. Mehr als 150 Menschen finden in solch einer überdachten Insel Platz. Über spezielle Rutschen, ähnlich wie beim Flugzeug, kommen die Menschen in die Inseln. Sie sind, wie die Rettungsboote, mit Lebensmitteln und Wasser, Erste-Hilfe-Sets und Signalgebern ausgestattet und entsprechen internationalen Vorgaben. Und last but not least, auch Schwimmwesten sind für alle ausreichend vorhanden – in der jeweiligen Kabine aber auch zusätzlich am Sammelplatz sowie für Babys und Kinder. Dass genügend Westen zur Verfügung stehen, ist ebenfalls festgeschrieben. Rund 60 große Kreuzfahrtreedereien in Europa und den USA haben über ihre Dachorganisationen Cruise Lines International Association (CLIA) und European Cruise Council (ECC) sogar beschlossen, mehr Westen als von SOLAS gefordert an Bord zu haben. Wir lernen: alle Personen, Crew und Passagiere, können im Ernstfall gerettet werden! Es gibt ausreichend Platz und Schwimmwesten für alle.


2. Wo ist mein Sammelplatz?


Der schnellste Weg zum Pool, zum Lieblings-Restaurant oder zur Bar ist auf dem Kreuzfahrtschiff schnell gefunden. Passagiere sollten jedoch auch wissen, wo ihr Sammelplatz ist, wenn der Kapitän den Notfallalarm auslösen muss. In jeder Kabine hängen Pläne mit den Rettungs- und Fluchtwegen. „Innerhalb der ersten 24 Stunden an Bord ist eine Rettungsübung vorgeschrieben. Viele Reedereien absolvieren diese noch vor dem Auslaufen. Auch der Umgang mit der Rettungsweste wird geübt. Wenn alle wissen, wo sich Sammelplatz, Rettungsboote, Rettungsinseln und Evakuierungsrutschen befinden, lässt sich das Schiffsleben unbeschwert genießen“, weiß Spezialist Luhmann. Und wenn im Flugzeug viele bei den Sicherheitshinweisen gar nicht mehr hinsehen und -hören – auf dem Schiff ist die Teilnahme an der Seenotrettungsübung für alle Passagiere verpflichtend. Und genauso wichtig: Jedes Schiff ist so ausgelegt und über Simulationen nachgewiesen, dass alle Personen an Bord in 80 Minuten evakuiert werden können. Die Rettungsboote müssen innerhalb von 30 Minuten mit Personen besetzt und zu Wasser gelassen worden sein. Ganz gleich, wie groß das Schiff ist - gemäß der internationalen Sicherheitsrichtlinien muss jedes Kreuzfahrtschiff diesen Nachweis erbringen - egal, ob 100, 2.000 oder 5.000 Passagiere an Bord sind. Für größere Schiffe müssen nicht nur mehr Boote, sondern auch mehr Treppenhäuser und Sammelplätze eingeplant werden, um kurze Rettungswege zu garantieren.

3. Die Crew als Wegweiser


Auf die Mannschaft ist Verlass: Kommt es zu einem Notfall, kann man sich blind auf die Crew verlassen. Schiffssicherheit wird großgeschrieben. Das Personal absolviert regelmäßig Lehrgänge und Übungen, kennt alle Winkel des Schiffes und weiß in Krisensituationen wie einer Evakuierung am besten, was zu tun ist. Jeder, der Hilfe benötigt, etwa Menschen mit Behinderung, bekommt die entsprechende Unterstützung und Fürsorge durch die Crew. Deswegen gilt: Ruhe bewahren und den Anweisungen der Crew Folge leisten, denn manchmal geht der kürzeste Fluchtweg über Crewtreppenhäuser, die man als Passagier im normalen Betrieb nicht nutzt. Experten raten, keinesfalls in bloßer Panik über Bord zu springen. Schiffbrüchige müssen im kalten Wasser umgehend gerettet werden – und halten so die Crew von der Arbeit bei den Rettungsbooten ab. Und wer will das schon?


4. Kostbar ist allein das Leben


Natürlich hängen wir alle an persönlichen Dingen. Setzt ein Kreuzfahrtschiff in einer Notlage jedoch ein Alarmsignal ab, dann sollten sich alle Passagiere nur in eine Richtung bewegen – zum Sammelplatz und zu den Ausgängen. Auf dem Weg zurück zur Kabine, um vermeintlich Kostbares zu retten, geht wertvolle Zeit verloren und wirklich kostbar ist letztlich nur das Leben.

5. Moderne Sicherheitsstandards


Die heutigen Kreuzfahrtschiffe gelten als extrem sicher. Sie sind so gebaut, dass sie auch bei einem Leck – wenn überhaupt – nur sehr langsam sinken. Alle modernen Schiffe entsprechen den aktuellen Sicherheitsstandards für Neubauten. Und auch bei älteren Schiffen wird die Ausrüstung nachgerüstet. „Dass alle Standards eingehalten werden, überprüfen Klassifikationsgesellschaften und Behörden. Jedes Jahr wird die Sicherheit eines Schiffes kontrolliert. Auf den Weltmeeren sind nur Kreuzfahrtschiffe mit gültiger Klassifikation unterwegs. Dass die geltenden SOLAS-Richtlinien eingehalten werden, wird zudem stichprobenartig immer wieder in den Häfen überprüft“, wissen unsere Fachleute.

Modernes Equipment, gute Ausbildung und Management an Bord haben die höchste Priorität überhaupt, um einen Notfall zu vermeiden. Wenn es doch zu einem extremen Notfall kommt und das Schiff evakuiert werden muss, ist ausreichend vorgesorgt. Ihrer nächsten erholsamen Kreuzfahrt sollte somit nichts mehr im Wege stehen.

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