Mittwoch, 29. August 2018

Die Zukunft beginnt in Papenburg

Das weltweit erste Kreuzfahrtschiff mit LNG Antrieb steht vor der Fertigstellung


„Green Cruising“ treibt die Branche um. Und das im wahrsten Sinne. Statt Diesel und Schweröl geht es im Motorraum um umweltfreundliche, zukunftsfähige Alternativen. Der Hoffnungsträger: LNG. Ende 2018 wird mit der „AIDAnova“ das weltweit erste Kreuzfahrtschiff, das komplett mit Flüssiggas angetrieben wird, in See stechen. Mit dem ersten Stahlschnitt für dieses umweltfreundliche Schiff wurde eine Zeitenwende eingeläutet.

LNG, das steht für Liquified Natural Gas und einen Quantensprung. Der alternative Kraftstoff ist schadstoffarm, verbrennt schwefel- und rußfrei. Bei der Verbrennung von LNG wird zwar etwa gleich viel Kohlendioxid (CO2) ausgestoßen, jedoch entstehen keinerlei Rußpartikel (PM) oder Schwefeloxide (SOx) und weniger Stickoxide (NOx). AIDA Cruises wird als weltweit erste Kreuzfahrtreederei ihre gesamte neue Schiffsgeneration mit Flüssigerdgas betreiben.

Vorreiter MEYER WERFT


Bei der Entwicklung des alternativen Gasantriebs war die Expertise der MEYER WERFT gefragt. Unsere Experten haben zusammen mit weiteren Partnern zehn Jahre Forschung und Entwicklung in die neue Technologie investiert und beim Bau von Fähren und Gastankern mit LNG-Antrieb wertvolle Erfahrungen sammeln können. Mit dem Bau des umweltfreundlich angetriebenen Kreuzfahrtschiffes baut die Werft nun ihren technischen Wissens-Vorsprung aus.

Neben AIDA Cruises setzen auch Costa Cruises, Royal Caribbean International, P&O und die Disney Cruise Line auf die MEYER-Expertise und lassen in den kommenden Jahren Schiffe mit LNG-Antrieb bauen. Zwölf Kreuzfahrtschiffe mit dieser Technik hat die MEYER Gruppe in den Auftragsbüchern und ist damit marktführend.

Technologischer Meilenstein und extreme Anforderungen


Der Bau des saubersten Kreuzfahrtschiffes der Welt ist ein Aufbruch in eine neue Ära. LNG-Antrieb bedeutet auch, dass bei der Konstruktion der Schiffe neu gedacht werden musste. „Die Flüssiggastanks nehmen zweieinhalb Mal so viel Platz ein wie die Diesel Tanks“, verdeutlicht Gerd Untiedt, Fachbereichsleiter für Energie- und Umweltfragen der Werft und ergänzt: „Es muss deutlich mehr Raum für die Tanks eingeplant werden.“ Ein LNG betriebenes Kreuzfahrtschiff wird mit drei großen Drucktanks ausgestattet. Mehr als 3.000 Kubikmeter flüssiges Erdgas werden so bei minus 162 Grad gelagert, da das Gas bei dieser Temperatur flüssig wird. „Die gesamte Anlage muss für diese tiefe Temperatur ausgelegt werden“, erklärt Untiedt. Es sind extreme Anforderungen an Material und Komponenten: „Alles muss für die tiefe Temperatur geeignet und isoliert werden und zudem so konstruiert sein, dass ein Gasaustritt quasi unmöglich ist oder es im Falle eines Falles nicht zur Entzündung kommt“, erläutert der Spezialist. In der Umgebung der Tanks müssen Zündquellen vermieden werden und es darf nur nichtbrennbares Material eingesetzt werden. Verbaut werden Mehrbrennstoff-Motoren von Caterpillar/MaK, die sowohl auf Gas (LNG) als auch Diesel gefahren werden können und strengste Umweltauflagen erfüllen. Im Normalfall werden sie mit Gas gefahren. Nur in Außnahmefällen wird auf Diesel umgestellt.

Maritime Energiewende


Saubere Schiffe sind gut für das Image der weltweit wachsenden Branche. Bei aller Beliebtheit der Kreuzfahrtschiffe, bei den Kritikern hält sich das Bild der „Dreckschleuder“ hartnäckig. Schiffe effizienter zu machen, schädliche Abgase zu reduzieren und Umweltschutz zu leben, sind die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft, denen wir uns stellen. An weiteren Technologien wie dem Einsatz von Brennstoffzellen oder anderen Treibstoffen wie Methanol wird ebenfalls intensiv geforscht. Um aber eine maritime Energiewende tatsächlich umzusetzen, müssen bei der Handelsschifffahrt neben den Passagierschiffen auch die Containerschiffe, Frachter und Tanker die Umrüstung auf die Zukunftstechnologie in Angriff nehmen. Und auch in den Häfen muss zum Thema Umweltschutz und Energiewende noch viel passieren, zum Beispiel muss die Infrastruktur geschaffen werden, um die Schiffe mit den zukünftigen Brennstoffen betanken zu können. So bleibt auf dem Weg zur maritimen Energiewende noch viel zu tun. Aber der Anfang ist gemacht. In Papenburg.


Sehen Sie sich hier das Video vom Ausdocken an.

Freitag, 3. August 2018

MEYER WERFT für Klugscheißer☺

Zahlen, Daten und Fakten, mit denen ihr in jeder Diskussion punkten könnt


Über viele interessante Daten und Fakten rund um unsere Schiffe und die Werft haben wir hier im Blog bereits berichtet. Aber jetzt legen wir noch eine Schippe drauf. Wir haben verschiedenste Daten und Zahlen für euch zusammengestellt und heben euer MEYER WERFT-Wissen damit auf ein neues Level:

Wusstet ihr, dass es sich bei der MEYER WERFT mit einer Fläche von rund 50 Hektar um eine Kompaktwerft handelt? Sie ist dennoch größer als der Vatikan.

Die größte Halle der Werft ist die Halle 6. Sie wurde 2001 fertiggestellt und war zu diesem Zeitpunkt 384 Meter lang, 125 Meter breit und 75 Meter hoch. Für den Bau wurden 13.500 Tonnen Betonstahl, 22.000 Stahl für die Träger und 50.000 Quadratmeter Verkleidungsbleche verbaut. Für das Dock waren 180.000 Kubikmeter Bodenaushub notwendig und es wurden 16.200 Quadratmeter Spundwände gesetzt. Mit der Verlängerung der Halle im Jahr 2008 um 120 Meter ist die Halle 6 jetzt über einen halben Kilometer lang. Der Eifelturm mit seinen 324 Metern passt also locker ins Dock. Die AIDAnova mit 337 Metern auch.

Das Fluten dieses Docks mit etwa 216.900 Kubikmetern Wasser dauert etwa 3,5 Stunden. Mit einem Gartenschlauch bräuchte man etwas länger, nämlich 41 Jahre. Das Leeren des Docks mithilfe großer Pumpen dauert etwa 5,5 Stunden. Durch das Abpumpen des Wassers steigt der Wasserspiegel im gesamten Papenburger Hafen um ca. 30 Zentimeter.

In der Halle 6 ist mit dem Kaiseradler kein Greifvogel unterwegs, sondern der größte Portalkran der Werft mit einer Tragkraft von 800 Tonnen. Die gesamte Krankapazität aller 187 Kräne auf der Werft beträgt 4.168 Tonnen. Ein ganzes Schiff könnten alle Kräne zusammen trotzdem nicht heben, denn ein Kreuzfahrtschiff wie z.B. die Norwegian Bliss wiegt mehr als 60.000 Tonnen. Für den Bau dieses 167.800 BRZ großen Schiffes wurden von unseren Technischen Büros ca. 14.000 technische Unterlagen erstellt. 

Von der ersten Zeichnung bis zum fertigen Schiff, das aus bis zu 90 Blöcken besteht, dauert es ca. 36 Monate. Ein fertiges Schiff von der Größe wie z.B. der Celebrity Reflection besteht aus 15 Millionen Einzelteilen, die bei uns auch als einzelne Teile gemanagt werden – vom Spant über jedes einzelne Knieblech bis hin zum Fernseher in der Kabine. Die Kabinen sind selbstverständlich alle klimatisiert. Bei der Norwegian Joy z.B. werden pro Stunde maximal 1.347.595 Kubikmeter an Frischluft durch die Klimaanlage eingesogen. Das sind 374 Kubikmeter pro Sekunde, was ungefähr dem Volumen eines mittelgroßen Einfamilienhauses entspricht. 

Etwa 60 Prozent der Werftmitarbeiter am Standort Papenburg besitzen übrigens ein Einfamilienhaus. Insgesamt bilden 3.450 Mitarbeiter die Stammbelegschaft der MEYER WERFT. Oft arbeiten gleich mehrere Familienmitglieder auf der Werft. Das Durchschnittsalter liegt bei 38 Jahren und wir sind sehr sportlich unterwegs. Im Mai dieses Jahres sind täglich durchschnittlich 1.469 Mitarbeiter mit dem Fahrrad zur MEYER WERFT gefahren. Und? Alle Zahlen gemerkt?