Montag, 20. April 2020

Was machen eigentlich Vermesser beim Bau eines Kreuzfahrtschiffs?


Ohne das vierzehnköpfige Team von Vermessern geht beim Schiffbau auf der MEYER WERFT Papenburg im präzisen Zusammenspiel nicht viel. Kaum ein Job ist in der Werft so abwechslungsreich, kaum ein Mitarbeiter kommt in der Werft so viel herum wie sie.
Vermessungsingenieure im Gespräch

Die MEYER WERFT bildet sogar eigene Vermessungstechniker aus, weil sich die Ausbildung im „klassischen“ Kataster-Bereich stark von der Vermessung in der Industrie unterscheidet, obwohl es letztlich der gleiche Beruf ist. Also baut sich die Werft intern das Know-how, um diese Fachspezialisten einzusetzen.

Cruisetricks.de hat mit Vermessungsingenieur Florian Jansen und Maschinenbauingenieur Andre Schreiber über ihre Arbeit gesprochen.
Ein Trend wird im Interview schnell deutlich: Das kleine, vierzehnköpfige Vermesser-Team der MEYER WERFT Papenburg muss effizient und kreativ sein. Routinearbeiten optimieren und vereinfachen sie immer weiter, sodass Spielraum für komplexere Aufgaben entsteht. Beispielsweise ersetzt Sensorik in manchen Situationen die manuelle Vermessung, sodass die Kapazitäten des Teams möglichst wenig durch Monitoring-Aufgaben gebunden sind.
Vor allem die Spezialvermessung nehme immer weiter zu, berichtet Florian Jansen: „Es gibt immer mehr, immer verrücktere Attraktionen auf den Kreuzfahrtschiffen. Da brauchen wir 3D-Vermessung und die Expertise von Ingenieuren. Das hat in den vergangenen Jahren echt zugenommen. Und natürlich sehen auch unsere Kunden, was technisch möglich und umsetzbar ist. Das erweitert auch unser Aufgabengebiet.“
Den Beginn dieser Entwicklung sieht Jansen 2010 bei einer komplexen Wasserrutsche für Disney Cruise Line: „Da müssen wir wirklich mit 3D-Vermessung arbeiten und häufig auch tachymetrisch. Das Tachymeter ist eigentlich allgegenwärtig, reflektorlos oder berührungslos, das ist unser Standardwerkzeug für die Vermessung. Und dann auch die ganzen anderen Geräte zur Vermessung.“ Man merkt ihm die Faszination für diese Technik an, wenn er davon erzählt.

„Das macht uns schon sehr stark und flexibel“

Maschinenbauingenieur Andre Schreiber merkt an: „Was uns auszeichnet ist, dass wir nicht nur Vermesser sind, nur die Vermesser-Brille aufhaben, sondern zum Beispiel auch einen Schiffbau-Ingenieur im Team haben. Wir können diese ganzen Sichtweisen und dieses Fachwissen zusammenführen.“
Jansen bestätigt: „Wenn ich zum Beispiel die Kollegen hier bei uns im Fachbereich frage, wie sie eine Situation schiffbaulich beurteilen, dann kann ich bei den Messungen mehr Wert auf diese Aspekte legen.“ Bei der Auswertung könne er so neben dem reinen Soll-Ist-Vergleich auch die Expertise des Schiffbau-Kollegen einbeziehen und damit besser beurteilen, ob manche Aspekte vielleicht eher zu vernachlässigen sind, wenn sie schiffbaulich nicht so wichtig seien. Das macht uns schon sehr stark und flexibel.“

„Wir sind vom ersten bis zum letzten Bauteil immer irgendwie involviert.“

Wie vielfältig die Aufgaben der Vermesser sind, fasst Maschinenbauingenieur Andre Schreiber zusammen: „Jedes Schiff hat seine neuen Herausforderungen und wir sind vom ersten bis zum letzten Bauteil eigentlich immer irgendwie involviert: in der Fertigungskette vom Stahlbau bis zum Innenausbau und  bei der Betreuung der Zulieferer. Das geht weiter mit Sonderbauteilen wie beispielsweise einer Wasserrutsche, einem Kletterpark oder diesem riesigen North Star für Royal Caribbean International.“
Odyssey of the Seas im Baudock der MEYER WERFT
Aber auch Bilddokumentationen sind Teil der Vermesser-Arbeiten. Fertige Maschinenräume werden aufgenommen, damit man sie mit dem nächsten, baugleichen Schiff abgleichen kann.
Jansen ergänzt: „Das geht dann bis hin zu Endabnahmen: Zahlen zum Tiefgang, Ausrichtung der Antriebe, die Höhen des Schiffs, die Hauptabmessungen Länge, Breite, Höhe, das wird eigentlich komplett einmal von uns betreut.“ Dabei arbeiten die Vermesser gemeinsam mit der Klassifizierungsgesellschaft – oder wie die Experten kurz formulieren: „mit der Klasse“. Die Klassifizierungsgesellschaft prüft dabei, wie die Vermesser die Messwerte ermitteln, begutachtet zertifizierte Messgeräte und entsprechend zertifizierte Mitarbeiter, die dazu ausgebildet sind, diese Vermessungen durchzuführen. Jansen: „Das Technische machen wir dann selbst. Da lassen wir uns in die Karten schauen, da gibt es nichts zu verheimlichen.“

Hochmoderner Messarm mit einer Genauigkeit von Submilimetern

Moderne Ausstattung in der Vermessung
Nicht zuletzt hört man im Gespräch aber auch heraus, wie stolz die Vermesser auf die technische Ausstattung sind, auf die sie bei ihrer Arbeit zurückgreifen können. Und da beschränkt sich die Arbeit eben nicht nur auf den klassischen Tachymeter, sondern hält Laser-Scanner oder auch einen hochmodernen Messarm bereit, der im Bereich von Submillimetern genau arbeitet – beispielsweise, wenn Antriebswellen aufeinander passen müssen. Jansen: „Wenn man da das eine Ende und das andere Ende aufeinander ausrichtet, kommt man wirklich in diesen Genauigkeitsbereich.“
Während der Messarm mit einem Taster mit Berührung arbeitet, ist das ebenfalls vorhandene Photogamerie-System berührungslos. Die Messung erfolgt über Bilder und ist ebenfalls extrem präzise. Und für die Rumpfbemalung im Bug-Bereich kommt ein eigens für die MEYER WERFT weiter entwickelter Laser-Projektor zum Einsatz.

Noch mehr Informationen zu diesem Thema erhaltet ihr hier auf cruisetricks.de

Donnerstag, 9. April 2020

Die Gesundheit ist das höchste Gut - Arbeitsalltag trotz Virus meistern


Am 28. Januar 2020 feierte die MEYER WERFT ihren 225. Geburtstag. Auch nach 225 Jahren Erfahrungen am Markt mit Höhen und Tiefen in der Schiffbaubranche bedeutet eine Situation wie die Corona-Pandemie eine absolute Ausnahmesituation für die MEYER WERFT. 

Die Gesundheit aller Mitarbeiter steht an höchster Stelle. Das war von Anfang an das oberste Gebot. Gleichzeitig hat die MEYER WERFT Verantwortung für 3625 Arbeitsplätze, darüber hinaus für 1200 Arbeitsplätze in weiteren Unternehmen der MEYER Gruppe am Standort Papenburg und direkt oder indirekt Verantwortung für rund 7000 Beschäftige in den Landkreisen Emsland und Leer, sowie für mehr als 14.400 Arbeitsplätze bei Lieferanten fast ausschließlich in Deutschland und der EU.

Es wird eine Zeit nach der Pandemie geben. Um die schon jetzt absehbaren massiven wirtschaftlichen Folgen erträglich zu halten, halten wir die Produktion so lange wie möglich aufrecht. Dies tun wir, solange wir mit unseren Maßnahmen den gesundheitlichen Schutz der Mitarbeiter bei laufendem Betrieb gewährleisten können. Die wirtschaftlichen Ziele sind dabei die Sicherung der Werft, das Verhindern eines Personalabbaus und die Verantwortung für unsere Lieferanten.

Das Management und viele Verantwortliche arbeiten seit Februar Tag für Tag an unterschiedlichen Maßnahmen, um die Situation auf der Werft an die dynamische Situation anzupassen – ein Ausschnitt:

  • Seit Februar müssen alle Personen vor Betreten des Werftgeländes einen Fragebogen ausfüllen, um auszuschließen, dass jemand aus einem Risikogebiet die Werft betritt
  • Für Lieferanten und Mitarbeiter werden Corona-Hotlines und Corona-Helpdesks eingerichtet
  • Um die Anzahl der Menschen auf dem Werftgelände zu verringern, wird ein Schichtsystem in der Produktion eingeführt
  • Um Menschansammlungen zu verhindern, werden Kantinen und Aufenthaltsräume geschlossen; Anfangszeiten werden entzerrt, um Abstandsregelungen auch an den Toren zur Werft zu gewährleisten
  • Um mögliche Kontakte noch weiter zu reduzieren, wird die Werft in Zonen eingeteilt. Personen auf dem Werftgelände bleiben in ihrer Schicht und in ihrer zugeordneten Zone.
  • Das Werkschutzpersonal wird um 200% erhöht, sodass eine Kontrolle der Maßnahmen sichergestellt werden kann
  • Fast 20% aller Mitarbeiter der MEYER Gruppe am Standort Papenburg befinden sich im Homeoffice

Die Kommunikation all dieser Maßnahmen erfolgt transparent und kontinuierlich über verschiedene Kanäle. In einem Video stellt Tim Meyer, Geschäftsführer der MEYER WERFT, die umfangreichen Präventionsmaßnahmen der Werft gegen das Corona-Virus im Zeitverlauf vor:




Die Gesundheit ist das wichtigste Gut, das es zu erhalten gilt. Täglich wird entschieden, welche zusätzlichen Maßnahmen getroffen werden müssen, um die Mitarbeiter auf dem Werftgelände bestmöglich zu schützen.

Donnerstag, 2. April 2020

Coronavirus: Betriebsärztin der MEYER WERFT klärt auf

Wir haben mit unserer Betriebsärztin Dr. Birgit Krzemien über das Coronavirus gesprochen. Sie gibt Antworten auf die Fragen, die sie häufig erreichen.

Dr. Birgit Krzemien, Betriebsärztin der MEYER WERFT

Wie sind die Übertragungswege?

Das Coronavirus (SARS-CoV-2) wird vor allem durch direkten Kontakt zwischen Menschen (z.B. im Gespräch) durch kleine Tröpfchen übertragen. Ein Abstand von mindestens 1,5 Metern zu anderen vermindert das Risiko einer Übertragung von SARS-CoV-2.
Es gibt derzeit keine Fälle, bei denen nachgewiesen ist, dass sich Menschen auf anderem Weg, etwa über den Verzehr kontaminierter Lebensmittel oder durch Kontakt zu kontaminierten Gegenständen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert haben. Da aber sogenannte Schmierinfektionen prinzipiell denkbar sind, ist die Händehygiene sehr wichtig (Händewaschen, Hände von Mund und Nase fernhalten, nicht in die Hände niesen oder husten).

Wie lange dauert es von der Ansteckung bis zum Auftreten von Symptomen?

Derzeit wird davon ausgegangen, dass es nach einer Ansteckung 1 bis 14 Tage dauern kann, bis Krankheitszeichen auftreten. Im Durchschnitt beträgt diese sogenannte Inkubationszeit 5 bis 6 Tage.

Wie ist der Krankheitsverlauf?

Als häufigste Krankheitszeichen werden Husten und Fieber berichtet. Es sind aber auch eine Reihe weiterer Krankheitszeichen wie Atemnot, Muskel- und Gelenkschmerzen, Halsschmerzen, Kopfschmerzen und Durchfall möglich.
Eine Infektion kann ohne Krankheitszeichen ablaufen, es sind aber auch Krankheitsverläufe mit schweren Lungenentzündungen mit Lungenversagen und Tod möglich. Am häufigsten (vermutlich mehr als 80 Prozent) sind jedoch milde Krankheitsverläufe.

Wie lange ist ein an Covid-19 Erkrankter ansteckend?

Nach derzeitiger Studienlage können vermehrungsfähige Viren in Abstrichproben vom Rachen bis zum vierten Tag nach Symptombeginn und in Proben aus den tieferen Atemwegen (Hustenauswurf) bis zum achten Tag nach Symptombeginn nachgewiesen werden.

Was passiert mit leichten Krankheitsverläufen?

Falls jemand positiv auf das Corona-Virus getestet wurde und kein Krankenhausaufenthalt aufgrund eines leichten Verlaufs bestand, wird frühestens 14 Tage nach Symptombeginn die vom Gesundheitsamt angeordneten häuslichen Quarantäne beendet. Voraussetzung dafür ist, dass der Betroffene mindestens zwei Tage zuvor symptomfrei war. Die Entlassung aus der Quarantäne erfolgt durch das Gesundheitsamt nach ärztlicher Rücksprache.

Wer wird auf SARS-CoV-2 getestet?

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat die Kriterien angepasst, nach denen Ärzte entscheiden sollen, welche Patienten auf eine Infektion mit SARS-CoV-2 getestet werden sollen. Die entscheidende Änderung ist, dass, aufgrund der fortschreitenden Ausbreitung des Virus, der Aufenthalt in einem Risikogebiet als Kriterium wegfällt.
Prinzipiell gilt weiterhin, dass nur Patienten getestet werden sollen, die akute Symptome zeigen. Zusätzlich muss eines der folgenden Kriterien erfüllt sein:
  • Kontakt zu einem bestätigten COVID-19-Fall bis maximal 14 Tage vor Erkrankungsbeginn
  • Tätigkeit in Pflege, Arztpraxis oder Krankenhaus
  • Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe 
  • schwere Erkrankung ohne andere Diagnose 

Ist ein genesener Mitarbeiter, der wieder zur Arbeit erscheint, eine Gefahr für mich?

Das Gesundheitsamt als zuständige Behörde zur Verhinderung von Ausbrüchen von Infektionskrankheiten entscheidet bei jedem Covid-19 Erkrankungsfall, wie lange der Erkrankte in Quarantäne verbleiben muss. Die Quarantäne wird vom Gesundheitsamt erst dann aufgehoben, wenn der Erkrankte wieder genesen ist und keine Viren mehr ausscheidet, das heißt niemanden mehr anstecken kann.